Sommeruniversität der Fémis: Ausbildung, Netzwerke und berufliche Wege kongolesischer Filmschaffender

Gesamtansicht einer Veranstaltung zur Sommerakademie der Fémis am Institut français in Kinshasa im Oktober 2019 mit Podiumsteilnehmenden, Publikum und Projektionsfläche.

Am 19. Oktober 2019 organisierte das Institut français in Kinshasa eine Begegnung zum 30-jährigen Bestehen der Sommeruniversität der Fémis, der französischen Hochschule für Film- und audiovisuelle Berufe.

Mehrere kongolesische Filmschaffende, die an diesem internationalen Ausbildungsprogramm teilgenommen hatten, kamen zusammen, um über ihre Erfahrungen zu berichten.

Regisseure.

Produzenten.

Fachleute aus unterschiedlichen filmischen Arbeitsumfeldern.

Ausbildungswege.

Filmprojekte.

Erfahrungen kollektiver Zusammenarbeit.

Berufliche Netzwerke über nationale Grenzen hinweg.

Und eine Frage, die sich durch die Erfahrungsberichte zog:

Was verändert eine internationale Weiterbildung im beruflichen Werdegang eines Filmschaffenden, der bereits in seinem eigenen kulturellen Umfeld tätig ist?

Bei dieser Begegnung ging es nicht ausschließlich um die Möglichkeit, in Frankreich zu studieren.

Sie eröffnete zugleich einen Blick auf die Beziehungen zwischen Ausbildung, beruflicher Anerkennung, Wissenstransfer und der Entwicklung filmischer Praktiken.

Die Fémis bildete den gemeinsamen Bezugspunkt der vorgestellten Erfahrungen.

Doch die Berichte zeigten, dass sich die Auswirkungen einer vergleichbaren Ausbildung nicht bei allen Teilnehmenden auf dieselbe Weise äußerten.

Für einige hatte sich die technische Kompetenz erweitert.

Andere hatten ihre Vorstellung davon verändert, wie ein Film entwickelt und realisiert werden kann.

Wieder andere hatten neue Fachleute kennengelernt, berufliche Netzwerke aufgebaut oder mehr Vertrauen in bereits vorhandene Fähigkeiten gewonnen.

Gerade diese Unterschiede machen das Archiv interessant.

Eine Begegnung in Kinshasa, unterschiedliche berufliche Wege

Die Veranstaltung fand in den Räumen des Institut français in Kinshasa statt.

An den Gesprächen waren ehemalige Teilnehmende der Sommeruniversität der Fémis beteiligt.

Zu den in den damaligen Berichten erwähnten Filmschaffenden gehörten unter anderem Abraham Mohindo, Machérie Ekwa Bahango, Tshoper Kabambi, Michée Sunzu und David Masamuna.

Der ursprüngliche Bericht von Ciel Bleu nannte außerdem Moimi Wezam im Zusammenhang mit den ehemaligen Teilnehmenden, die der Begegnung zugeordnet wurden.

Diese Namen stehen für unterschiedliche berufliche Wege und Ausbildungsjahrgänge.

Fachleute aus Kinshasa.

Andere aus Goma oder Lubumbashi.

Filmschaffende, die bereits in Regie, Produktion oder Wissensvermittlung tätig waren.

Internationale Erfahrungen, die in verschiedenen Phasen beruflicher Entwicklung gesammelt wurden.

Diese geografische und professionelle Vielfalt ist wesentlich.

Eine internationale Ausbildung verbindet nicht einfach eine französische Institution mit einer undifferenzierten Gruppe kongolesischer Begünstigter.

Sie trifft auf bereits bestehende berufliche Wege, die in unterschiedlichen Städten, Netzwerken und Produktionsbedingungen verankert sind.

Eine internationale Ausbildung im Bereich Dokumentarfilm

Die 1989 gegründete Sommeruniversität der Fémis ist ein internationales filmisches Ausbildungsprogramm.

Sie unterscheidet sich vom regulären grundständigen Studium der Hochschule.

Das etwa zweimonatige Programm richtet sich an Teilnehmende aus verschiedenen Ländern, die ihre Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten insbesondere im Bereich des Dokumentarfilms vertiefen möchten.

Die Ausbildung umfasst mehrere Dimensionen.

Theoretischen Unterricht.

Praktische Workshops.

Technische Übungen.

Berufliche Begegnungen.

Filmvorführungen.

Und die Realisierung eines dokumentarischen Kurzfilms.

Die gemeinsame Arbeit spielt dabei eine wichtige Rolle.

Teilnehmende setzen sich mit den Arbeitsweisen anderer Filmschaffender auseinander, in einem Umfeld, das sich von ihren üblichen Produktionsbedingungen unterscheiden kann.

Daraus ergibt sich eine wichtige Unterscheidung.

An einer internationalen Weiterbildung teilzunehmen bedeutet nicht zwangsläufig, erstmals das Filmemachen zu erlernen.

Die Teilnehmenden können bereits Filme realisieren.

Workshops organisieren.

Projekte entwickeln.

In Teams arbeiten.

Berufliche Netzwerke aufbauen.

Produktionsmethoden in ihrem eigenen Umfeld erproben.

Die Ausbildung greift dann in einen bestehenden Werdegang ein.

Sie bildet nicht unbedingt seinen Ausgangspunkt.

Abraham Mohindo: Zugang zur Ausbildung von Goma aus

Der Erfahrungsbericht von Abraham Mohindo machte insbesondere die Frage des Zugangs sichtbar.

Der in Goma tätige Regisseur erklärte, dass er von Ratschlägen und Ermutigungen früherer Teilnehmender der Sommeruniversität profitiert hatte.

Die Erfahrungen derjenigen, die das Programm bereits absolviert hatten, wurden so zu einer Ressource für neue Bewerber.

Sie halfen dabei, die Anforderungen besser zu verstehen.

Die erforderlichen Schritte.

Die Präsentation eines Filmprojekts.

Die Bedingungen einer Bewerbung.

Abraham Mohindo erwähnte außerdem die Unterstützung von Samuel Pasquier, dem damaligen stellvertretenden Leiter des Institut français in Kinshasa, bei bestimmten Formalitäten im Zusammenhang mit seiner Reise nach Paris.

Diese Hilfe war besonders bedeutsam, weil Goma in der betreffenden Zeit nicht über eine eigene Einrichtung des Institut français verfügte.

Das Problem war somit nicht ausschließlich künstlerischer Natur.

Es war auch territorial.

Administrativ.

Institutionell.

Die unsichtbaren Voraussetzungen beruflicher Mobilität

Um Zugang zu einer internationalen Ausbildung zu erhalten, reicht ein filmisches Projekt nicht aus.

Man muss vom Programm erfahren.

Die Auswahlkriterien verstehen.

Eine Bewerbung vorbereiten.

Die richtigen Ansprechpartner finden.

Erforderliche Unterlagen zusammenstellen.

Mit den beteiligten Institutionen kommunizieren können.

Und, wenn die Bewerbung erfolgreich ist, die Bedingungen der Reise organisieren.

Berufliche Mobilität beginnt daher bereits vor der Abreise.

Sie ist auf Informations- und Unterstützungsstrukturen angewiesen.

Im Fall von Abraham Mohindo erscheinen frühere Teilnehmende und institutionelle Ansprechpartner als Bestandteile dieser Infrastruktur.

Sie ersetzen nicht das Auswahlverfahren.

Sie können jedoch den Zugang zu Informationen und Verfahren erleichtern.

Diese Unterscheidung gewinnt besondere Bedeutung, wenn man regionale Unterschiede berücksichtigt.

Ein Bewerber in einer Hauptstadt, in der sich zahlreiche Kultureinrichtungen konzentrieren, verfügt nicht zwangsläufig über dieselben Kontaktmöglichkeiten wie ein Filmschaffender in einer weiter entfernten Stadt.

Die internationale Zirkulation von Kompetenzen beginnt somit mit einer lokalen Frage des Zugangs.

Wissenstransfer beginnt manchmal zwischen Ehemaligen

Besonders aufschlussreich ist die Rolle derjenigen, die bereits am Programm teilgenommen haben.

Ehemalige Teilnehmende können praktische Informationen weitergeben.

Erklären, wie ein Projekt präsentiert werden sollte.

Die Arbeitsweise der Workshops beschreiben.

Über Schwierigkeiten berichten.

An Ansprechpartner vermitteln.

Zu einer Bewerbung ermutigen.

Die Ausbildung erzeugt so eine Form der Zirkulation, die über den offiziellen Unterrichtszeitraum hinausgeht.

Wissen, das in einer Institution erworben wurde, kann in einem anderen Umfeld an weitere Fachleute weitergegeben werden.

Dieser Prozess muss nicht die Form eines eigenständigen institutionellen Programms annehmen.

Er kann auf persönlichen Beziehungen beruhen.

Auf Ratschlägen.

Informellen Gesprächen.

Beruflicher Solidarität.

Dennoch ist er ein wesentlicher Bestandteil der Zirkulation von Kompetenzen.

Filmische Referenzen als Bestandteil der Ausbildung

Abraham Mohindo erwähnte außerdem den Dokumentarfilm Maman Colonelle von Dieudo Hamadi.

Nach seinem Bericht hatte dieses Werk seine Wahrnehmung des Kinos verändert.

Diese Referenz verdient Aufmerksamkeit.

Ein Film kann eine bildende Funktion übernehmen, unabhängig von einem institutionellen Unterrichtsangebot.

Er kann den Wunsch auslösen, selbst Filme zu machen.

Eine bestimmte Erzählweise erschließen.

Das Verständnis von Inszenierung verändern.

Oder neue Möglichkeiten dokumentarischen Arbeitens sichtbar machen.

Berufliches Lernen beginnt daher nicht zwangsläufig im Unterrichtsraum.

Es kann aus der Begegnung mit einem Werk entstehen.

Aus einer Diskussion zwischen Filmschaffenden.

Dem Austausch von Referenzen.

Oder einer Erfahrung als Zuschauer, die später die eigene Regiepraxis beeinflusst.

Auch diese Zirkulation filmischer Vorbilder ist Teil des Lernprozesses.

Andere Arbeitsweisen kennenlernen

Die Sommeruniversität bringt Teilnehmende in einem internationalen, gemeinschaftlich organisierten Arbeitsumfeld zusammen.

Diese Erfahrung gehörte zu den zentralen Themen der in Kinshasa vorgestellten Berichte.

Mit Menschen aus anderen Kontexten zu arbeiten bedeutet, eigene Gewohnheiten zu hinterfragen.

Eine Methode kann diskutiert werden.

Eine künstlerische Entscheidung infrage gestellt werden.

Die Vorbereitung eines Drehs kann sich verändern.

Die Teilnehmenden verfügen nicht zwangsläufig über dieselben Referenzen.

Dieselben technischen Erfahrungen.

Dieselben beruflichen Voraussetzungen.

Dennoch müssen sie gemeinsam ein Projekt entwickeln.

Diese Auseinandersetzung kann selbst zu einer Lernressource werden.

Sie eröffnet neue Möglichkeiten, ein Team zu organisieren, ein Vorhaben zu durchdenken oder Produktionsprobleme zu lösen.

Machérie Ekwa Bahango: Film durch Zusammenarbeit verstehen

Der Erfahrungsbericht von Machérie Ekwa Bahango, Regisseurin des Films Maki’la, hob diese Dimension besonders hervor.

Sie erklärte, wie sehr die gemeinsame Arbeit ihr Verständnis filmischer Realisierung erweitert hatte.

Während der Ausbildung konnte sie unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Hinter der Kamera arbeiten.

Mit Tonaufnahmen experimentieren.

Die Verantwortung anderer Teammitglieder besser verstehen.

An mehreren Produktionsphasen teilnehmen.

Dieser Wechsel zwischen Tätigkeitsbereichen bedeutet nicht, dass jeder Teilnehmende automatisch zum Spezialisten für alle Filmberufe wird.

Er ermöglicht jedoch ein besseres Verständnis ihrer gegenseitigen Abhängigkeit.

Film erscheint dadurch als kollektive Arbeit, bei der künstlerische Entscheidungen auch von den Fähigkeiten und Entscheidungen anderer Menschen abhängen.

Die Erfahrung von Machérie Ekwa Bahango zeigt somit, dass Weiterbildung nicht nur Wissen erweitern, sondern auch das Verständnis der Beziehungen innerhalb eines Filmteams verändern kann.

Film durch den Ton verstehen

Machérie Ekwa Bahango maß den Ausbildungsinhalten zum Ton eine besondere Bedeutung bei.

Ihr Bericht führte zu einer Frage, die häufig weniger sichtbar ist als jene nach dem Bild:

Wie lässt sich ein Film durch Ton erzählen?

Ton ist nicht lediglich eine technische Ergänzung.

Er kann Atmosphäre erzeugen.

Eine Anwesenheit andeuten.

Einen Raum entstehen lassen.

Auf etwas außerhalb des Bildausschnitts verweisen.

Die Bedeutung eines Bildes verändern.

Die Wahrnehmung einer Situation strukturieren.

Diese Aufmerksamkeit verschiebt das Verständnis von Regiearbeit.

Ein Film entsteht nicht ausschließlich durch das, was gezeigt wird.

Er entsteht ebenso durch das, was zu hören ist.

Hören zu lernen kann daher zu einer weiteren Möglichkeit werden, Erzählen zu lernen.

Einen Beruf erlernen, die anderen verstehen

Der Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben während einer gemeinschaftlichen Ausbildung kann noch eine weitere Wirkung haben.

Er macht die Anforderungen anderer Teammitglieder deutlicher.

Ein Regisseur, der selbst mit Tonaufnahmen experimentiert, kann die technischen Bedingungen einer Aufnahme besser verstehen.

Wer für das Bild verantwortlich ist, kann sich der Anforderungen des Schnitts bewusst werden.

Wer an mehreren Produktionsphasen beteiligt ist, erkennt, wie eine einzelne Entscheidung den gesamten Arbeitsprozess beeinflussen kann.

Diese Erfahrung ersetzt keine berufliche Spezialisierung.

Sie kann jedoch zu einem umfassenderen Verständnis der Filmherstellung beitragen.

Die Ausbildung wird damit zu einem Raum, in dem Kompetenzen aufeinander abgestimmt werden, statt lediglich isolierte technische Kenntnisse zu vermitteln.

Tshoper Kabambi: Die Praxis strukturieren

Tshoper Kabambi betonte insbesondere die Organisation des vorhandenen Wissens und das Vertrauen in die eigenen technischen Fähigkeiten.

Sein Erfahrungsbericht verdeutlichte den Unterschied zwischen dem Sammeln von Informationen und ihrer Anwendung innerhalb einer kohärenten Arbeitsweise.

Ein Regisseur kann verschiedene Produktionsphasen kennen, ohne immer über eine systematische Methode zu verfügen, sie miteinander zu verbinden.

Eine Weiterbildung kann helfen, die einzelnen Schritte zu strukturieren.

Vorbereiten.

Vorausdenken.

Entscheidungen treffen.

Experimentieren.

Überarbeiten.

Ein Projekt bis zu seiner Realisierung führen.

Auch der Umgang mit professioneller technischer Ausrüstung gehörte zu den wichtigen Erfahrungen, die er beschrieb.

Mit entsprechenden Geräten in einem Ausbildungsumfeld zu arbeiten ermöglicht es, ihre Möglichkeiten und Grenzen besser kennenzulernen.

Doch der Wert liegt nicht allein im Zugang zur Technik.

Er liegt ebenso darin, sie sinnvoll in einen kreativen Prozess einzubinden.

Michée Sunzu: Ideen vor der Realisierung organisieren

Michée Sunzu betonte die Strukturierung von Ideen und die Bedeutung gemeinschaftlicher Arbeit.

Sein Erfahrungsbericht erinnerte daran, dass ein künstlerisches Projekt nicht allein von der individuellen Absicht einer Person abhängt.

Es verlangt gemeinsame Entscheidungen.

Arbeitsmethoden.

Organisation.

Den Austausch verschiedener Kompetenzen.

Und manchmal die Bereitschaft, eigene Gewohnheiten zu verändern, um ein gemeinsames Vorhaben zu entwickeln.

In einem internationalen Ausbildungsumfeld gewinnt diese Dimension besondere Bedeutung.

Jeder bringt eigene Referenzen mit.

Eigene Arbeitsweisen.

Berufliche Routinen.

Gemeinschaftliche Kreativität verlangt daher eine Abstimmung zwischen diesen unterschiedlichen Erfahrungen.

Lernen bedeutet nicht nur, ein Werkzeug zu beherrschen.

Es kann auch verändern, wie man gemeinsam mit anderen über ein Projekt nachdenkt.

Berufliche Netzwerke als Fortsetzung der Ausbildung

Abraham Mohindo hob außerdem die Bedeutung der während seiner Zeit an der Fémis entstandenen Kontakte hervor.

Seinem Bericht zufolge hatten bestimmte Beziehungen Möglichkeiten eröffnet, an Filmfestivals in China und im Senegal teilzunehmen.

Diese Erfahrung erweitert unser Verständnis internationaler Ausbildung.

Ihr Wert beschränkt sich nicht auf die Inhalte der Workshops.

Er kann ebenso in den Menschen liegen, denen man dort begegnet.

Einem anderen Filmemacher.

Einem Produzenten.

Einer Technikerin.

Jemandem, der relevante Informationen weitergeben kann.

Einem Kontakt, der den Zugang zu einem Festival erleichtert.

Die Ausbildung wird damit zu einem Ort der Netzwerkbildung.

Vom Ausbildungsraum in andere filmische Zusammenhänge

Solche Netzwerke besitzen ihre eigene Geografie.

Menschen aus verschiedenen Ländern treffen zeitweise an derselben Einrichtung aufeinander.

Sie arbeiten zusammen.

Tauschen Erfahrungen aus.

Und kehren anschließend in ihre jeweiligen Arbeitsumfelder zurück.

Die entstandenen Beziehungen können über das Ende des Programms hinaus weiterbestehen.

Eine Begegnung in Paris kann zu einem Austausch mit einem Filmschaffenden in einem anderen Land führen.

Eine Information, die ein ehemaliger Teilnehmer weitergibt, kann einen Regisseur in Goma erreichen.

Ein beruflicher Kontakt kann die Teilnahme an einem internationalen Festival ermöglichen.

Solche Entwicklungen sind keineswegs garantiert.

Sie hängen von den Beteiligten ab.

Von verfügbaren Ressourcen.

Und von der Kontinuität der Beziehungen.

Sie zeigen jedoch, dass eine Ausbildung zu einer beruflichen Infrastruktur beitragen kann, deren Reichweite über die Dauer des Programms hinausgeht.

Moimi Wezam: Zusammenarbeit über das Programm hinaus

Der berufliche Werdegang von Moimi Wezam erlaubt es, eine weitere Dimension dieser Vernetzung zu beobachten.

Er hatte 2015 an der Sommeruniversität teilgenommen und gehört zu den kongolesischen Filmschaffenden, deren Arbeit in den Unterlagen der Fémis dokumentiert ist.

Zu seinen Tätigkeiten zählen unter anderem der Schnitt des Films Kitendi, die Mitarbeit an der Produktion des Kurzfilms Théâtre urbain von Nelson Makengo sowie die Realisierung des Dokumentarfilms Zéro im Jahr 2018.

Diese Angaben sind aufschlussreich.

Sie zeigen, wie sich die Arbeit eines Filmschaffenden über unterschiedliche Aufgaben erstrecken kann.

Schnitt.

Produktion.

Schreiben.

Regie.

Zugleich machen sie Kooperationen zwischen Fachleuten sichtbar, die an unterschiedlichen Jahrgängen desselben Ausbildungsprogramms teilgenommen haben.

Nelson Makengo hatte die Sommeruniversität 2016 besucht.

Die dokumentierte Zusammenarbeit im Umfeld von Théâtre urbain bietet damit ein konkretes Beispiel für berufliche Beziehungen zwischen ehemaligen Teilnehmenden.

Daraus darf jedoch nicht abgeleitet werden, dass jede Zusammenarbeit unmittelbar durch die Ausbildung entstanden sei.

Individuelle Werdegänge, künstlerische Entscheidungen und Produktionsbedingungen spielen ebenfalls eine Rolle.

Der ursprüngliche Bericht von Ciel Bleu erwähnte Moimi Wezam im Zusammenhang mit den ehemaligen Teilnehmenden bei der Begegnung in Kinshasa, ohne einen ausführlichen individuellen Wortbeitrag von ihm wiederzugeben.

Sein Werdegang kann daher die Analyse beruflicher Netzwerke ergänzen, ohne ihm Aussagen zuzuschreiben, die während der Veranstaltung nicht dokumentiert wurden.

Vom Ausbildungsnetzwerk zum Produktionsnetzwerk

Der Fall Moimi Wezam ermöglicht eine breitere Betrachtung.

Ein berufliches Netzwerk besteht nicht allein aus einer Liste von Kontakten.

Es kann zu einem konkreten Arbeitszusammenhang werden.

Ein Regisseur arbeitet mit einem Editor zusammen.

Eine Produzentin begleitet ein Filmprojekt.

Ein ehemaliger Teilnehmer vermittelt Informationen.

Zwei Filmschaffende entwickeln eine neue Produktion.

Diese Beziehungen besitzen nicht zwangsläufig dieselbe Dauer oder Intensität.

Manche bleiben punktuell.

Andere erstrecken sich über mehrere Projekte.

Internationale Ausbildungen können ihr Entstehen begünstigen, indem sie Fachleute zeitweise zusammenbringen.

Ihre Fortsetzung hängt jedoch von weiteren Voraussetzungen ab.

Vorhandenen Projekten.

Finanziellen Mitteln.

Sich ergänzenden Kompetenzen.

Dem Wunsch nach Zusammenarbeit.

Und einem Umfeld, in dem gemeinsame Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden können.

Ein Netzwerk garantiert deshalb keine Filmproduktion.

Es eröffnet zunächst Möglichkeiten.

David Masamuna: Die Frage beruflicher Anerkennung

Der Erfahrungsbericht von David Masamuna aus Lubumbashi machte ein anderes Problem sichtbar.

Bereits vor seiner Teilnahme an der Fémis war er in der Ausbildung und Begleitung junger Filmschaffender tätig.

Er organisierte unter anderem Workshops in seinem beruflichen Umfeld.

Die internationale Weiterbildung hatte seine pädagogische Tätigkeit somit nicht erst hervorgebracht.

Sie war Teil eines bereits begonnenen Werdegangs.

David verband diese Erfahrung in seinem Bericht mit einer Stärkung seiner beruflichen Legitimität.

Dieser Aspekt verdient besondere Aufmerksamkeit.

Anerkennung durch eine internationale Institution

In bestimmten beruflichen Umfeldern kann eine Ausbildung an einer international bekannten Institution die Wahrnehmung einer Person verändern.

Jemand, der bereits Workshops organisiert hat, kehrt möglicherweise mit zusätzlicher Anerkennung zurück.

Die vorhandenen Kompetenzen sind dadurch nicht erst entstanden.

Doch ihre gesellschaftliche oder berufliche Wahrnehmung kann sich verändern.

Institutionelle Anerkennung wird so zu einer symbolischen Ressource.

Sie kann das Selbstvertrauen stärken.

Gespräche erleichtern.

Einen beruflichen Werdegang sichtbarer machen.

Oder die Glaubwürdigkeit einer bereits bestehenden Tätigkeit erhöhen.

Dabei müssen Anerkennung und tatsächlich vorhandene Kompetenzen unterschieden werden.

Eine Institution begründet nicht allein den Wert eines Filmschaffenden. Sie kann jedoch beeinflussen, unter welchen sozialen und beruflichen Bedingungen dieser Wert anerkannt wird.

Anerkennung ist nicht gleich Professionalisierung

Diese Unterscheidung ist grundlegend.

Die Teilnahme an einem anerkannten Programm garantiert nicht automatisch eine Beschäftigung.

Auch keine Finanzierung.

Nicht die Möglichkeit, einen Langfilm zu realisieren.

Keine dauerhafte Präsenz auf Festivals.

Und keine Veränderung der lokalen Produktionsbedingungen.

Eine Weiterbildung kann die Fähigkeiten einer Person stärken, ohne dass sich ihr berufliches Umfeld unmittelbar verändert.

Der Erfahrungsbericht von David Masamuna führt damit zu einer wichtigen Frage:

Wie kann Anerkennung, die in einem internationalen Rahmen erworben wurde, in konkrete berufliche Möglichkeiten innerhalb eines lokalen Umfelds umgesetzt werden?

Dieser Übergang erfolgt nicht automatisch.

Er hängt auch davon ab, ob das berufliche Umfeld die erworbenen Kompetenzen aufnehmen, einsetzen und anerkennen kann.

Von individueller Ausbildung zur lokalen Weitergabe

Die Frage nach der Rückkehr ins eigene Arbeitsumfeld führt diese Überlegung weiter.

Eine internationale Erfahrung kann das Wissen eines Teilnehmenden erweitern.

Ihr Einfluss auf eine Filmszene hängt jedoch auch davon ab, was danach geschieht.

Verfügt die betreffende Person über Mittel, um neue Projekte zu realisieren?

Kann sie bestimmte Kenntnisse weitergeben?

Existieren Räume für Workshops?

Gibt es Menschen, mit denen eine Produktion entwickelt werden kann?

Stehen Institutionen zur Verfügung, die ein solches Vorhaben unterstützen?

Individuell erworbenes Wissen wird nicht automatisch zu einer kollektiven Ressource.

Damit es geteilt werden kann, braucht es weitere Voraussetzungen.

Diese Unterscheidung erklärt, warum die internationale Mobilität einzelner Menschen allein noch keine dauerhafte strukturelle Entwicklung eines Kultursektors gewährleistet.

Territoriale Unterschiede verschwinden nicht in Paris

Die Erfahrungen von Filmschaffenden aus Goma, Lubumbashi und Kinshasa erinnern daran, dass ihre Ausgangsbedingungen nicht identisch sind.

Der Zugang zu Informationen kann unterschiedlich sein.

Berufliche Netzwerke verfügen nicht überall über dieselben Verbindungen.

Technische Ausrüstung ist ungleich verfügbar.

Produktionsumfelder können besondere Einschränkungen mit sich bringen.

Während der Ausbildung teilen die Teilnehmenden möglicherweise Geräte, Räume und Arbeitsbedingungen.

Nach ihrer Rückkehr finden sie jedoch wieder unterschiedliche berufliche Kontexte vor.

Internationale Mobilität beseitigt territoriale Ungleichheiten daher nicht.

Sie kann den Teilnehmenden neue Ressourcen erschließen.

Entscheidend bleibt jedoch, unter welchen Bedingungen diese Ressourcen in ihren jeweiligen Arbeitsumfeldern eingesetzt werden können.

Die Fémis als Infrastruktur kultureller Zirkulation

Anhand dieser Erfahrungsberichte erscheint die Fémis in mehreren Funktionen.

Als Ausbildungsort.

Als Raum praktischer Arbeit.

Als Rahmen kollektiver Zusammenarbeit.

Als Institution mit beruflicher Anerkennung.

Als internationaler Treffpunkt.

Als potenzielles Netzwerk ehemaliger Teilnehmender.

Die Sommeruniversität organisiert dadurch eine Zirkulation von Menschen, Methoden und Beziehungen.

Diese Bewegung beschränkt sich nicht auf die Reise aus der Demokratischen Republik Kongo nach Frankreich.

Sie umfasst auch Kontakte zwischen Fachleuten unterschiedlicher Länder.

Danach die Rückkehr in lokale Arbeitsumfelder.

Kooperationen.

Wissenstransfer.

Neue berufliche Mobilität.

Das Programm lässt sich somit als Infrastruktur der Weiterbildung und beruflichen Mobilität untersuchen.

Institutionen schaffen die Bedingungen des Zugangs

Diese Mobilität bleibt institutionell organisiert.

Sie hängt von Bewerbungsverfahren ab.

Auswahlbedingungen.

Institutionellen Partnerschaften.

Stipendienprogrammen.

Ansprechpartnern, die Informationen vermitteln.

Und Mitteln, mit denen Reisen und Aufenthalte ermöglicht werden.

Französische Botschaften und Einrichtungen der Kulturkooperation gehören zu diesem Umfeld.

Auch Campus France übernimmt Aufgaben innerhalb der mit dem Programm verbundenen internationalen Mobilitäts- und Stipendienstrukturen.

Daraus ergeben sich mehrere Fragen.

Welche Bewerber erfahren von den Ausbildungsmöglichkeiten?

Wer erhält Unterstützung?

Welche Projekte werden als geeignet anerkannt?

Welche Erfahrungen zählen im Auswahlverfahren?

Welche Filmschaffenden verfügen bereits über die Mittel, einen Antrag vorzubereiten?

Der Zugang zu kultureller Mobilität wird bereits vor der eigentlichen Auswahl gestaltet.

Internationale Ausbildung und institutionelle Beziehungen

Diese Organisation schafft zugleich Beziehungen zwischen Institutionen mit unterschiedlichen Ressourcen.

Eine internationale Filmschule legt einen pädagogischen Rahmen fest.

Institutionelle Partner unterstützen Bewerbungs- und Mobilitätsverfahren.

Die Teilnehmenden bringen ihre Projekte und Erfahrungen ein.

Diese Akteure verfügen nicht zwangsläufig über dieselben Entscheidungsmöglichkeiten.

Die Institution definiert Zugangsbedingungen.

Die Bewerber müssen ihre Projekte innerhalb dieser Vorgaben darstellen.

Ausgewählte Fachleute erhalten möglicherweise Zugang zu besonderen Ressourcen.

Das bedeutet nicht, dass die Beziehung ausschließlich von oben nach unten verläuft.

Die Teilnehmenden tragen durch ihr eigenes Wissen und ihre Arbeit ebenfalls zum Austausch bei.

Die Zirkulation von Kompetenzen lässt sich dennoch nicht von den institutionellen Rahmenbedingungen trennen, die sie organisieren.

Filmschaffende sind nicht nur Empfänger von Wissen

Es wäre verkürzt, die beruflichen Werdegänge vollständig der ausbildenden Institution zuzuschreiben.

Die Teilnehmenden kommen mit eigenen Erfahrungen.

Projekten.

Referenzen.

Kompetenzen.

Schwierigkeiten.

Netzwerken.

Sie tragen selbst zur Qualität der Ausbildung bei.

Ein kongolesischer Regisseur kann filmische Referenzen mitbringen, die andere Teilnehmende nicht kennen.

Eine Fachperson, die unter besonderen technischen Bedingungen gearbeitet hat, kann Arbeitsmethoden aus ihrem Umfeld vermitteln.

Ein Filmschaffender kann eine spezifische Art des dokumentarischen Erzählens einbringen.

Die Zirkulation des Wissens verläuft daher nicht ausschließlich von der Institution zu den Teilnehmenden.

Sie findet auch zwischen den Teilnehmenden selbst statt.

Filmschaffende sind nicht bloß Empfänger von Unterricht.

Sie gestalten einen gemeinsamen Raum der Produktion und des Austauschs von Wissen mit.

Campus France und Perspektiven internationaler Ausbildung

Zur Begegnung vom 19. Oktober 2019 gehörte außerdem eine Präsentation von Studienmöglichkeiten in Frankreich, insbesondere im Zusammenhang mit Campus France.

Diese zweite Phase erweiterte den Rahmen der Veranstaltung.

Es ging nun nicht mehr ausschließlich darum, auf eine filmische Weiterbildung zurückzublicken.

Die Begegnung wurde auch zu einem Informationsraum für mögliche zukünftige Bewerber.

Fachleute, die internationale Ausbildungserfahrungen gesammelt hatten, konnten vor Menschen berichten, die ähnliche Wege in Betracht zogen.

Diese Beziehung zwischen ehemaligen Teilnehmenden und möglichen Bewerbern ist bedeutsam.

Ein individueller Erfahrungsbericht wird zu einer Orientierungshilfe.

Ein beruflicher Werdegang kann als Beispiel dienen.

Ein Bericht hilft, bestimmte Verfahren besser zu verstehen.

Ein Austausch kann dazu ermutigen, ein eigenes Projekt vorzubereiten.

Informationen zirkulieren dann nicht nur über institutionelle Unterlagen.

Sie werden auch von Menschen vermittelt, die den betreffenden Ausbildungsweg bereits durchlaufen haben.

Ausbildung, Ausreise, Rückkehr: unterschiedliche Fragen

Der ursprüngliche Bericht hielt außerdem Ratschläge fest, die Bewerber dazu ermutigen sollten, ihre ursprünglichen Ausbildungsziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Damit stellt sich die Frage nach dem Verhältnis zwischen internationaler Mobilität und beruflichem Vorhaben.

Im Ausland studieren.

Kompetenzen entwickeln.

Ein Netzwerk aufbauen.

Eine internationale Laufbahn verfolgen.

Im Herkunftsland weiterarbeiten.

Kooperationen zwischen mehreren Territorien aufrechterhalten.

Diese Möglichkeiten schließen sich nicht zwangsläufig gegenseitig aus.

Sie sind aber auch nicht gleichbedeutend.

Ein beruflicher Werdegang kann mehrere Arbeitsorte umfassen.

Eine Person kann an internationalen Projekten beteiligt sein und gleichzeitig Verbindungen zu ihrem ursprünglichen Umfeld bewahren.

Eine Zusammenarbeit kann fortgesetzt werden, ohne dass unmittelbar eine physische Rückkehr erforderlich ist.

Die während der Begegnung geäußerten Ratschläge sind daher als Aussagen in ihrem Kontext von 2019 zu verstehen, nicht als allgemein gültige Vorgabe für sämtliche Lebenswege.

Die analytisch entscheidende Frage betrifft vielmehr die Zirkulation von Kompetenzen und Ressourcen zwischen unterschiedlichen beruflichen Umfeldern.

Die Wirkungen kultureller Kooperation müssen untersucht werden

Internationale Weiterbildungsprogramme werden häufig als Chancen beruflicher Entwicklung beschrieben.

Die Erfahrungsberichte von 2019 zeigen mehrere Vorteile, die die Teilnehmenden selbst wahrnahmen.

Ein besseres Verständnis kollektiver Arbeit.

Neue Methoden.

Mehr technisches Selbstvertrauen.

Begegnungen.

Institutionelle Anerkennung.

Möglichkeiten beruflicher Vernetzung.

Diese Erfahrungen sind bedeutsam.

Sie reichen jedoch nicht aus, um sämtliche Auswirkungen des Programms auf den kongolesischen Filmsektor zu bewerten.

Dazu müssten unter anderem die späteren beruflichen Wege untersucht werden.

Tatsächlich realisierte Filme.

Fortgesetzte Kooperationen.

Aktivitäten der Wissensvermittlung.

Produktionsmöglichkeiten.

Mobilisierte Ressourcen.

Und weiterhin bestehende Schwierigkeiten.

Die Begegnung in Kinshasa war keine umfassende Evaluation dieser Entwicklungen.

Sie war in erster Linie ein Raum für Erfahrungsberichte.

Eine Konferenz wird selbst zum Ort des Wissenstransfers

Die Veranstaltung im Institut français in Kinshasa beschränkte sich nicht auf die Feier eines Jubiläums.

Sie erzeugte eine neue Zirkulation beruflicher Erfahrungen.

Fachleute, die in Paris eine Ausbildung absolviert hatten, berichteten vor einem kongolesischen Publikum über ihren Werdegang.

Informationen wurden weitergegeben.

Schwierigkeiten angesprochen.

Methoden diskutiert.

Studienmöglichkeiten vorgestellt.

Die Fotografien der Veranstaltung dokumentieren genau diese Situation.

Vortragende.

Ein Publikum.

Eine Projektionsfläche.

Institutionelle Informationsmaterialien.

Einen Raum des Gesprächs und Austauschs.

Die eigentliche Ausbildung hatte an einem anderen Ort stattgefunden.

Ihre Erfahrungen wurden nun in Kinshasa erneut vermittelt.

Fotografie als Archiv des Vermittlungsprozesses

Die während der Begegnung entstandenen Bilder besitzen einen besonderen dokumentarischen Wert.

Sie zeigen nicht den Unterricht in Paris.

Auch nicht die Dreharbeiten der Teilnehmenden.

Oder die im Rahmen des Programms produzierten Filme.

Sie dokumentieren einen anderen Moment.

Den Moment, in dem Ausbildungserfahrungen öffentlich weitergegeben werden.

Eine Fotografie zeigt die Gesprächssituation aus näherer Perspektive.

Eine weitere Aufnahme lässt die räumliche Organisation, die Mitwirkenden und das Publikum deutlicher erkennen.

Die Bilder machen die materiellen und institutionellen Bedingungen der Begegnung sichtbar.

Einen Raum.

Stuhlreihen.

Teilnehmende.

Eine Projektionsfläche.

Informationsmaterialien.

Menschen, die zusammenkommen, um sich über berufliche Erfahrungen auszutauschen.

Das Archiv dokumentiert somit nicht unmittelbar die filmische Ausbildung an der Fémis.

Es dokumentiert die Vermittlung von Erfahrungen aus dieser Ausbildung.

Genau diese Unterscheidung bestimmt seinen Quellenwert.

Ciel Bleu als Beobachter der Begegnung

Im Oktober 2019 besuchte Blaise Puala die Veranstaltung im Institut français in Kinshasa und dokumentierte sie für Ciel Bleu.

Der am folgenden Tag veröffentlichte Artikel stellte die Erfahrungsberichte der Filmschaffenden und die während der Begegnung vermittelten Informationen vor.

Er hatte eine unmittelbare journalistische Funktion.

Über die Veranstaltung berichten.

Die Mitwirkenden nennen.

Ihre Erfahrungen wiedergeben.

Über die angesprochenen Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

Die Fotografien ergänzten diese Berichterstattung.

In diesem Zusammenhang trat Ciel Bleu nicht als Veranstalter der Sommeruniversität oder der institutionellen Begegnung auf.

Seine dokumentierte Funktion war die einer redaktionellen Beobachtung vor Ort.

Heute erhält diese Dokumentation eine andere Bedeutung.

Sie ermöglicht es, Mechanismen des Wissenstransfers, der beruflichen Anerkennung und Mobilität zu untersuchen, von denen die Teilnehmenden berichteten.

Vom Jubiläum zur Frage des kulturellen Ökosystems

Die Wiederaufnahme des Artikels in Kultur Insights beruht genau auf dieser Perspektivverschiebung.

Die Frage lautet nicht mehr nur:

Wie feierte das Institut français in Kinshasa das 30-jährige Bestehen der Sommeruniversität der Fémis?

Sie lautet vielmehr:

Wie kann eine internationale Ausbildung bereits bestehende filmische Berufswege beeinflussen, und unter welchen Bedingungen können die dabei gesammelten Erfahrungen zwischen unterschiedlichen beruflichen Umfeldern zirkulieren?

Dieser Ansatz führt über den Bericht über eine Jubiläumsveranstaltung hinaus.

Er macht die Beziehungen sichtbar, die Ausbildung und Mobilität ermöglichen.

Filmschulen.

Kultur- und Kooperationsdienste.

Ehemalige Teilnehmende.

Berufliche Netzwerke.

Filmschaffende.

Produktionsorte.

Räume des Wissenstransfers.

Und die Territorien, in denen diese Menschen ihre Arbeit fortsetzen.

Eine weitere Dimension kultureller Zirkulation

Dieses Archiv gehört zugleich zu einer größeren Reihe von Beobachtungen über kulturelle Infrastrukturen.

Das einige Monate zuvor dokumentierte Europäische Filmfestival in der Demokratischen Republik Kongo ermöglichte es, die Zirkulation von Werken zwischen Städten, Institutionen und Publikum zu untersuchen.

Die Begegnung zur Fémis macht eine andere Bewegung sichtbar.

Nicht nur Filme zirkulieren.

Sondern Menschen.

Methoden.

Kompetenzen.

Referenzen.

Berufliche Beziehungen.

Und Formen der Anerkennung.

Beide Situationen gehören nicht zum selben institutionellen Programm.

Sie machen jedoch zwei sich ergänzende Dimensionen des filmischen Lebens erkennbar.

Die Verbreitung von Werken.

Und die Entwicklung beruflicher Voraussetzungen ihrer Herstellung.

Diese Ergänzung setzt keine direkte historische oder institutionelle Verbindung zwischen den Veranstaltungen voraus.

Sie zeigt vielmehr, dass kulturelle Zirkulation je nach Akteuren und Infrastrukturen unterschiedliche Formen annehmen kann.

Fazit

Die Begegnung zum 30-jährigen Bestehen der Sommeruniversität der Fémis im Oktober 2019 in Kinshasa ermöglicht es, filmische Ausbildung über ihre unmittelbaren Lehrinhalte hinaus zu betrachten.

Die Erfahrungsberichte kongolesischer Filmschaffender verdeutlichen unterschiedliche Funktionen.

Eine Methode erlernen.

Ein Werkzeug kennenlernen.

Teamarbeit verstehen.

Eine filmische Arbeitsweise entwickeln.

Andere Fachleute treffen.

Zugang zu neuen Netzwerken erhalten.

Berufliche Anerkennung stärken.

Erfahrungen weitergeben.

Diese Dimensionen führen nicht bei allen Teilnehmenden automatisch zu denselben Ergebnissen.

Eine Ausbildung garantiert keine berufliche Laufbahn.

Keine Finanzierung.

Und keine Transformation eines gesamten Kultursektors.

Sie kann jedoch einen wichtigen Moment im beruflichen Werdegang darstellen.

Und manchmal den Ausgangspunkt neuer Beziehungen bilden.

Es geht daher um mehr als die Möglichkeit, an einer anerkannten Institution zu studieren.

Entscheidend sind die Bedingungen, unter denen erworbene Kenntnisse und Erfahrungen weiter zirkulieren können.

Zwischen Paris und Kinshasa.

Zwischen Goma und anderen filmischen Arbeitsorten.

Zwischen Lubumbashi und internationalen Netzwerken.

Zwischen ehemaligen Teilnehmenden und zukünftigen Bewerbern.

Zwischen individueller Praxis und dem beruflichen Umfeld, in dem sie verankert ist.

Die Begegnung von 2019 dokumentiert damit etwas Präziseres als eine institutionelle Jubiläumsfeier:

Wie eine internationale Ausbildung zu einem Raum für die Zirkulation von Kompetenzen, berufliche Vernetzung und Anerkennung werden kann, ohne die lokalen Voraussetzungen filmischer Produktion zu ersetzen.

In dieser Verbindung von Ausbildung, Mobilität, Wissenstransfer, Netzwerken und beruflicher Legitimation findet das Archiv heute seinen Platz in Kultur Insights.


Redaktioneller Hinweis — Dieser Artikel geht auf einen Beitrag von Blaise Puala zurück, der ursprünglich am 20. Oktober 2019 auf der historischen Website Ciel-Bleu.org veröffentlicht wurde. Anlass war eine Begegnung, die am Vortag im Institut français in Kinshasa zum 30-jährigen Bestehen der Sommeruniversität der Fémis stattgefunden hatte. Blaise Puala nahm persönlich an der Veranstaltung teil und dokumentierte sie fotografisch. Für die Bibliothek Kultur Insights wurde der Text vollständig überprüft, überarbeitet und redaktionell neu ausgerichtet, um seinen Wert als Feldarchiv zu bewahren und zugleich zwischen den 2019 dokumentierten Erfahrungsberichten, ergänzenden Informationen aus institutionellen Archiven und der heutigen analytischen Interpretation zu unterscheiden. Im Mittelpunkt stehen die beruflichen Wege kongolesischer Filmschaffender, die Bedingungen des Zugangs zu internationalen Ausbildungen, die Zirkulation von Kompetenzen, berufliche Netzwerke und Mechanismen der Anerkennung.

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