Quiltclub in Freiburg: gemeinschaftliche Textilpraxis, Wissensvermittlung und lokale kulturelle Sichtbarkeit

Textile Arbeiten des Quiltclubs bei der Ausstellung 2022 im Carl-Schurz-Haus Freiburg.

Eine Textilausstellung kann auf den ersten Blick einen eher unauffälligen Platz im kulturellen Leben einer Stadt einnehmen.

Einige Arbeiten an den Wänden.

Zusammengesetzte Stoffe.

Geometrische Muster.

Häuser.

Bäume.

Abstrakte Kompositionen.

Hinter diesen Objekten steht jedoch häufig eine Praxis, die wesentlich länger dauert als die Ausstellung selbst.

In Freiburg im Breisgau machte die Quiltclub-Ausstellung 2022 im Carl-Schurz-Haus eine gemeinschaftliche textile Praxis sichtbar, die dort bereits seit mehreren Jahrzehnten besteht.

Der 1987 gegründete Club bringt regelmäßig Menschen zusammen, die sich mit Patchwork und Quilten beschäftigen. Die Mitglieder arbeiten an eigenen Projekten, tauschen Techniken und Erfahrungen aus und finden in den Treffen einen dauerhaften Rahmen für ihre Praxis.

Die Sommerausstellung 2022, die vom 22. Juli bis 1. Oktober zu sehen war, fand nach zwei Jahren statt, in denen die Aktivitäten durch die Pandemie erheblich beeinträchtigt worden waren.

Sie ermöglicht damit eine weiterführende Frage:

Wie erhält eine regelmäßige künstlerische Praxis, die weitgehend innerhalb einer kleinen Gemeinschaft entsteht, öffentliche kulturelle Sichtbarkeit?

Eine Praxis, die lange vor der Ausstellung beginnt

Die Ausstellung ist nur der sichtbare Teil eines kontinuierlicheren Prozesses.

Der Freiburger Quiltclub besteht seit 1987.

Seine Mitglieder treffen sich regelmäßig im Carl-Schurz-Haus und bringen die Arbeiten mit, an denen sie gerade tätig sind.

Sie können Techniken vergleichen, Rat suchen, neue Ideen teilen oder einfach gemeinsam mit anderen Menschen arbeiten, die dieselbe Praxis verfolgen.

Diese Regelmäßigkeit ist entscheidend.

Eine kreative Gemeinschaft entsteht nicht nur durch außergewöhnliche Veranstaltungen.

Sie entsteht durch Wiederholung.

Wiederkommen.

Eine unfertige Arbeit zeigen.

Die Arbeit einer anderen Person betrachten.

Eine neue Technik kennenlernen.

Fortschritte wahrnehmen.

Ein neues Projekt beginnen.

Die Kontinuität des Gruppenlebens wird dadurch selbst zu einer Infrastruktur des Schaffens.

Textil als künstlerische Praxis

Quilten besitzt eine lange Gebrauchsgeschichte.

Durch das Verbinden mehrerer Stofflagen entstehen Decken, funktionale Objekte oder dekorative Arbeiten.

Die heutige Praxis geht jedoch weit darüber hinaus.

Farben.

Texturen.

Muster.

Assemblagen.

Kontraste.

Nähtechniken.

Komposition.

Stoff wird zum Material visueller Gestaltung.

Die 2022 in Freiburg ausgestellten Arbeiten zeigten diese Vielfalt.

Einige orientierten sich an traditionelleren Strukturen.

Andere arbeiteten mit zeitgenössischeren Formen und Kompositionen.

Manche waren als dekorative Objekte gedacht.

Andere näherten sich stärker einem textilen Bild, das an der Wand betrachtet wird.

Diese Vielfalt macht eine einfache Trennung zwischen Kunst und Handwerk wenig überzeugend.

Kunst oder Handwerk: eine wenig produktive Grenze

Textile Praktiken sind häufig in eine alte kulturelle Hierarchie eingebunden.

Malerei oder Bildhauerei werden selbstverständlich als „Kunst“ bezeichnet.

Nähen, Patchwork, Stickerei oder Quilten werden dagegen eher dem Handwerk, dem Hobby oder dem häuslichen Bereich zugeordnet.

Der Quiltclub zeigt die Grenzen dieser Unterscheidung.

Eine textile Arbeit kann präzises technisches Wissen voraussetzen und zugleich komplexe ästhetische Entscheidungen verlangen.

Stoffe auswählen.

Eine Komposition entwickeln.

Farbbeziehungen gestalten.

Rhythmus erzeugen.

Blöcke zusammensetzen.

Über die endgültige Funktion des Objekts entscheiden.

Diese Vorgänge gehören gleichzeitig zum handwerklichen Können und zur künstlerischen Gestaltung.

Statt endgültig festlegen zu wollen, ob ein Quilt „Kunst“ oder „Handwerk“ ist, erscheint es produktiver zu untersuchen, in welchen kulturellen Situationen diese Praxis sichtbar wird.

Gemeinsam praktizieren, ohne notwendigerweise gemeinsam ein Werk zu produzieren

Die gemeinschaftliche Dimension des Quiltclubs bedeutet nicht, dass sämtliche ausgestellten Arbeiten von mehreren Personen hergestellt wurden.

Viele bleiben individuelle Werke.

Sie entstehen jedoch in einem kollektiven Umfeld.

Eine Person arbeitet an ihrem Projekt.

Andere beobachten.

Kommentieren.

Geben Hinweise.

Zeigen eine Technik.

Teilen frühere Erfahrungen.

Das Kollektiv funktioniert also weniger als gemeinsamer Autor eines einzigen Werkes denn als Infrastruktur gegenseitigen Lernens.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Gemeinsam zu schaffen bedeutet nicht zwangsläufig, mit mehreren Händen am selben Objekt zu arbeiten.

Es kann auch bedeuten, individuell in einer Umgebung zu produzieren, in der Wissen kontinuierlich zirkuliert.

Blöcke als Form sozialer Beziehung

Die Ausstellung von 2022 machte diese Dimension besonders sichtbar.

Der damalige Bericht erwähnte unter anderem Arbeiten aus einzelnen Stoffblöcken sowie Stücke, die mit Geburtstagen von Clubmitgliedern verbunden waren.

Textile Elemente konnten dadurch zu Geschenken, Zeichen der Aufmerksamkeit oder Spuren einer Beziehung zwischen Mitgliedern werden.

Die Technik erhält damit eine soziale Funktion.

Ein Stoffstück wird nicht lediglich Bestandteil einer Komposition.

Es kann mit einer Person, einem Anlass oder einer gemeinsamen Erinnerung verbunden sein.

Diese relationale Dimension unterscheidet manche gemeinschaftlichen Praktiken von einer Kunstproduktion, die vollständig um die Figur eines individuellen Künstlers organisiert ist.

Lernen durch Nähe

Der Quiltclub ist zugleich ein Raum der Weitergabe.

Diese Weitergabe erfolgt nicht unbedingt über ein formalisiertes Bildungsprogramm.

Sie kann durch Nähe entstehen.

Eine Person beobachtet, wie eine andere Stoffstücke zusammensetzt.

Sie stellt eine Frage.

Ein Arbeitsschritt wird gezeigt.

Sie probiert ihn selbst aus.

Sie wiederholt ihn.

Eine Technik, die ein Mitglied seit Jahren beherrscht, kann so an eine andere Person weitergegeben werden.

Diese Art des Lernens besitzt eine besondere Qualität.

Sie basiert weniger auf einer strikten Trennung zwischen Lehrenden und Lernenden als auf dem Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungsständen.

Eine Community of Practice

Der Quiltclub lässt sich in diesem Sinne als Praxisgemeinschaft verstehen.

Die Mitglieder sind durch eine gemeinsame Tätigkeit verbunden.

Nach und nach entwickeln sie ein gemeinsames Vokabular.

Gewohnheiten.

Referenzen.

Technisches Wissen.

Kriterien zur Einschätzung einer Arbeit.

Netzwerke von Bezugsquellen, Mustern und Informationen.

Einige Personen verfügen über langjährige Erfahrung.

Andere sind erst später hinzugekommen.

Der Club funktioniert, weil diese Erfahrungen zirkulieren können.

Diese Zirkulation bildet eine Form lokalen kulturellen Wissens, die von außen nur schwer sichtbar ist.

35 Jahre im Jahr 2022

Im Jahr 2022 bestand der Quiltclub seit 35 Jahren.

Diese Dauer ist bemerkenswert.

Viele kulturelle Initiativen werden vor allem anhand ihrer sichtbaren Momente betrachtet: Gründung, Festival, Ausstellung, Jubiläum.

Die Bedingungen, die eine Praxis langfristig erhalten, liegen jedoch häufig an anderer Stelle.

Monatliche Treffen.

Mitgliedschaft.

Informelle Weitergabe.

Ein verfügbarer Raum.

Menschen, die organisieren.

Mitglieder, die wiederkommen.

Neue Teilnehmende.

Gerade diese wenig spektakulären Mechanismen erzeugen Kontinuität.

Die Langlebigkeit des Quiltclubs basiert daher nicht allein auf individuellem Interesse an Textilgestaltung.

Sie hängt ebenso von einer Organisation ab, die dieses Interesse in eine gemeinschaftliche Praxis übersetzt.

Die Pandemie als Unterbrechung von Kontinuität

Die Ausstellung von 2022 erhielt nach den Pandemiejahren eine besondere Bedeutung.

Der damalige Bericht verwies auf eine zweijährige Unterbrechung der üblichen Ausstellungstätigkeit.

Für eine Praxis, die auf regelmäßigen Begegnungen beruht, bedeutet eine solche Unterbrechung mehr als die Absage einzelner Veranstaltungen.

Sie betrifft auch die Weitergabe von Wissen.

Informelle Begegnungen.

Gegenseitige Beobachtung.

Kollektive Gewohnheiten.

Die Möglichkeit, eigene Arbeiten zu präsentieren.

Die Rückkehr der Ausstellung konnte deshalb auch als Wiederaufnahme öffentlicher kultureller Aktivität nach einer Phase verstanden werden, in der gewohnte Formen kultureller Geselligkeit geschwächt worden waren.

Von der regelmäßigen Praxis zur Ausstellung

Eine Ausstellung verändert zudem den Status der Objekte.

Innerhalb des Clubs kann eine textile Arbeit ein unfertiges Projekt sein.

Eine Übung.

Ein Geschenk.

Ein persönliches Experiment.

Sobald sie im Carl-Schurz-Haus an der Wand hängt, tritt sie in eine andere Situation ein.

Sie wird von Menschen betrachtet, die dem Club nicht angehören.

Sie steht neben anderen Werken.

Sie wird Teil einer kuratierten Gesamtheit.

Sie erhält öffentliche Sichtbarkeit.

Der Übergang vom Ort der Praxis zum Ausstellungsraum ist somit bereits eine Form kultureller Vermittlung.

Das Carl-Schurz-Haus als Schnittstelle

Die Rolle des Carl-Schurz-Hauses ist in diesem Zusammenhang besonders interessant.

Die Institution ist vor allem für ihre Arbeit zu deutsch-amerikanischen Beziehungen, Sprachen, Debatten, Literatur, Ausstellungen und Bildungsprogrammen bekannt.

Sie beherbergt jedoch auch regelmäßig stattfindende Clubs und Gruppen.

Quiltclub.

Lesegruppen.

Film.

Tanz.

Solche Aktivitäten erweitern die Funktion der Institution.

Das Carl-Schurz-Haus produziert nicht ausschließlich Veranstaltungen für ein Publikum.

Es bietet auch eine Infrastruktur, innerhalb derer Gruppen eigene Aktivitäten entwickeln können.

Räume.

Zeitliche Kontinuität.

Mitgliedernetzwerke.

Sichtbarkeit.

Möglichkeiten zur Ausstellung.

Diese Schnittstellenfunktion ist wesentlich.

Zwischen privater Praxis und Kulturinstitution

Der Quiltclub nimmt damit eine Zwischenposition ein.

Er ist weder ein rein privates Atelier noch eine große Kunstinstitution.

Der Club verbindet persönliche Praxis mit einem gemeinschaftlichen Rahmen und gelegentlich mit einer öffentlichen Präsentation.

Gerade in diesem Zwischenraum entsteht das, was als kulturelle Infrastruktur mittlerer Ebene verstanden werden kann.

Sie verfügt nicht unbedingt über große Budgets.

Sie produziert keine stark medialisierten Ereignisse.

Sie ermöglicht jedoch, dass eine Praxis über längere Zeit bestehen, weitergegeben und öffentlich sichtbar werden kann.

In einem städtischen Kulturökosystem ist diese Ebene bedeutsam.

Ohne sie würden viele Praktiken im individuellen oder privaten Bereich verbleiben.

Freiburg in Stoff übersetzt

Einige der 2022 ausgestellten Arbeiten zeigten auch Motive, die mit Freiburg oder seiner Umgebung verbunden waren.

Häuser.

Bäume.

Landschaften.

Bezüge zum Schwarzwald.

Diese Elemente reichen nicht aus, um die gesamte Ausstellung als Arbeit über urbane Erinnerung zu verstehen.

Sie zeigen jedoch, wie eine lokale Umgebung in eine künstlerische Praxis eingehen kann.

Die Stadt ist nicht nur der Ort, an dem Werke entstehen.

Sie kann selbst visuelles Material werden.

Eine architektonische Form wird vereinfacht.

Eine Landschaft wird zum Motiv.

Lokale Erfahrung geht in die Komposition ein.

Territorium wird in eine andere visuelle Sprache übersetzt.

Einen Ort darstellen, ohne ein Archiv zu produzieren

Diese Unterscheidung sollte erhalten bleiben.

Eine textile Darstellung Freiburgs ist nicht automatisch ein historisches Archiv der Stadt.

Sie ist eine Interpretation.

Eine Auswahl.

Ein Blick.

Mit der Zeit kann sie dennoch zu einer Spur davon werden, wie ein bestimmter Ort von bestimmten Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt wahrgenommen und dargestellt wurde.

Textile Praxis kann dadurch zu einer weniger institutionellen Form kultureller Erinnerung beitragen.

Nicht weil sie eine Stadt vollständig dokumentiert.

Sondern weil sie bestimmte sensible Beziehungen zum Ort bewahrt.

Eine kostenlose und zugängliche Ausstellung

Die Ausstellung von 2022 konnte während der Öffnungszeiten des Carl-Schurz-Hauses kostenlos besucht werden.

Dieser Punkt wirkt zunächst nebensächlich.

Er ist es nicht.

Kulturelle Sichtbarkeit hängt auch von Zugangsbedingungen ab.

Eine Ausstellung in einem Gebäude, das für zahlreiche andere Aktivitäten besucht wird, kann Menschen erreichen, die nie gezielt eine Quilt-Ausstellung besucht hätten.

Teilnehmende eines Sprachkurses.

Nutzerinnen und Nutzer der Bibliothek.

Besucher einer Diskussion.

Menschen, die zufällig im Gebäude sind.

Die Institution schafft dadurch Überschneidungen zwischen verschiedenen Praktiken und Öffentlichkeiten.

Publika sind nicht immer bereits vorhanden

Ein Club besitzt sein eigenes Netzwerk von Mitgliedern.

Eine Ausstellung kann diesen Kreis erweitern.

Andere Menschen können die Praxis entdecken.

Der Text von 2022 endete sogar mit einer Einladung an Menschen mit Interesse am Nähen, an den monatlichen Treffen teilzunehmen.

Die Ausstellung funktionierte damit zugleich als Zugang zum Club.

Wer Arbeiten sieht, kann sich für die Gruppe interessieren.

Wer sich für die Gruppe interessiert, kann selbst teilnehmen.

Die Beziehung zwischen Ausstellung und Gemeinschaft funktioniert in beide Richtungen.

Die Gemeinschaft produziert Arbeiten für die Öffentlichkeit.

Die öffentliche Präsentation kann ihrerseits die Gemeinschaft erneuern.

Die weniger sichtbaren Kulturen der Stadt

Kulturelle Stadtpläne zeigen gewöhnlich die sichtbarsten Einrichtungen.

Museen.

Theater.

Konzerthäuser.

Festivals.

Galerien.

Diese Strukturen sind zweifellos zentral.

Sie reichen jedoch nicht aus, um das kulturelle Leben einer Stadt vollständig zu beschreiben.

Ein großer Teil kultureller Produktion findet in weniger sichtbaren Gruppen statt.

Clubs.

Werkstätten.

Vereinen.

Chören.

Fotogruppen.

Lesekreisen.

Amateurpraktiken.

Der Begriff „Amateur“ sollte dabei nicht als Synonym für geringe Qualität verstanden werden.

Er bezeichnet auch eine andere Ökonomie kultureller Praxis: eine Tätigkeit, die nicht notwendigerweise auf eine berufliche Laufbahn ausgerichtet ist.

Praktizieren, ohne sich zu professionalisieren

Diese Unterscheidung ist im Kulturbereich wichtig.

Nicht jede künstlerische Praxis muss zu einem Beruf werden.

Eine Person kann über Jahre eine Technik entwickeln, ohne ihre Arbeiten verkaufen oder in den Kunstmarkt eintreten zu wollen.

Sie kann dennoch anspruchsvolle Objekte herstellen.

Wissen weitergeben.

Teil einer Gemeinschaft sein.

Ausstellen.

Zum lokalen kulturellen Leben beitragen.

Diese Beiträge sichtbar zu machen erweitert das Verständnis kultureller Ökosysteme.

Zwischen professioneller Kunstproduktion und reinem Kulturkonsum existiert ein großer Bereich aktiver kultureller Praxis.

Der Quiltclub gehört zu diesem Bereich.

Der kulturelle Wert von Kontinuität

Die Ausstellung von 2022 ermöglicht damit eine Verschiebung der Perspektive.

Ihr Interesse liegt nicht nur in den ausgestellten Quilts.

Es liegt auch im Beziehungsgefüge, das ihre Entstehung ermöglicht.

Eine Institution stellt Raum zur Verfügung.

Ein Club organisiert Treffen.

Menschen entwickeln ihre Praxis.

Wissen zirkuliert.

Werke entstehen.

Manche werden verschenkt.

Andere ausgestellt.

Neue Menschen können zur Gruppe hinzukommen.

Auch durch diese Wiederholung entsteht lokale Kultur.

Ihr Wert ist nicht ausschließlich ereignisbezogen.

Er ist infrastrukturell.

Fazit

Die Quiltclub-Ausstellung im Carl-Schurz-Haus 2022 konnte zunächst wie eine einfache Präsentation textiler Arbeiten von Menschen erscheinen, die sich für Patchwork und Quilten interessieren.

Bei genauerer Betrachtung wird ein komplexeres System sichtbar.

Hinter den Werken steht ein Club, der 1987 gegründet wurde.

Regelmäßige Treffen.

Weitergegebene Techniken.

Individuelle Projekte, die in einem gemeinschaftlichen Umfeld entstehen.

Objekte, die zwischen künstlerischer Arbeit, Geschenk und Ausstellung zirkulieren.

Eine Kulturinstitution, die Raum und Sichtbarkeit bereitstellt.

Publika, die diese Praxis entdecken können, obwohl sie das Gebäude vielleicht aus ganz anderen Gründen besuchen.

Gerade in dieser Verbindung liegt die Bedeutung des Quiltclubs.

Er zeigt, dass das kulturelle Leben einer Stadt nicht ausschließlich von ihren sichtbarsten Institutionen und großen Veranstaltungen getragen wird.

Es hängt ebenso von intermediären Strukturen ab, die Praktiken langfristig ermöglichen, Wissen weitergeben und kreative Gemeinschaften mit öffentlichen Räumen der Präsentation verbinden.

In Freiburg erlauben einige an den Wänden des Carl-Schurz-Hauses ausgestellte Stoffarbeiten damit einen Blick auf etwas wesentlich Größeres: darauf, wie aus regelmäßiger Praxis lokale kulturelle Kontinuität entsteht.


Redaktioneller Hinweis — Dieser Artikel geht auf einen Text von Blaise Puala zurück, der ursprünglich am 13. August 2022 während der Quiltclub-Ausstellung im Carl-Schurz-Haus Freiburg auf Ciel-Bleu.org veröffentlicht wurde. Der Autor besuchte die Ausstellung und dokumentierte sie fotografisch. Für die Bibliothek Kultur Insights wurde der Text überprüft, überarbeitet und neu ediert, um seinen dokumentarischen Wert zu bewahren und zugleich die Analyse gemeinschaftlicher Praktiken, der Weitergabe von Wissen und der Rolle intermediärer kultureller Infrastrukturen im lokalen Kulturleben zu vertiefen.

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